Zwei Menschen, ein Haus
Das Ehepaar Lisa und Manuel Liepert führt im verschlafenen Leutschach in der Südsteiermark ein Restaurant, ein Café und vier Zimmer — zu zweit. Das Restaurant ist 2026 mit einem MICHELIN Stern ausgezeichnet, das Hotel seit September 2026 mit einem MICHELIN Key.
Sie haben beide keine Erfahrung in renommierten Gastrohäusern sammeln können, und in ihren Lebensläufen sucht man internationale Stationen in Hinblick auf Küche und Service vergebens. Obwohl Manuel und Lisa Liepert nie zuvor auf Top-Niveau gearbeitet haben, ging ihr Traum in Erfüllung: 2025 wurde ihr Fine-Dine-Restaurant „Lieperts“ zum ersten Mal mit einem MICHELIN Stern ausgezeichnet. Bei der MICHELIN Gala im Hangar-7 in Salzburg waren sie es, die die Steiermark kulinarisch repräsentiert haben.
„Schranken sind zum Niederreißen da“
„Wir haben uns im Alter von 21 bzw. 24 Jahren mit unserem Restaurant selbstständig gemacht — das war 2014, und seither hat sich bei uns und innerhalb der Gastrobranche so viel getan“, sagt Manuel Liepert. Sein Erfolgsrezept: „Ich liebe es, mich auszuprobieren und reiße dabei regelmäßig Schranken nieder“, lacht der gebürtige Deutsche und Vater zweier Kinder. Authentizität, Leichtfüßigkeit und stetige Weiterentwicklung sind die selbstbestimmten Triebfedern des Gastropaars, das neben dem Fine-Dining-Bereich ein kleines Gästehaus mit vier Zimmern und ein Café betreibt. Die Zimmer heißen Salbei, Muskat, Pfeffer und Rosmarin — nach dem, was in der Küche steht. All das zu zweit, und alles gemeinsam: Vorbereitet wird zusammen, am Abend richtet Lisa die Teller an, und Manuel ist im Service und erklärt den Gästen die Gerichte.
MICHELIN Guide 2026, Gault&Millau, Falstaff
Das Restaurant ist 2026 mit einem MICHELIN Stern ausgezeichnet, wie schon 2025. Gault&Millau führt das Haus mit drei Hauben und 16,5 Punkten, Falstaff mit 92 Punkten. Im September 2026 wurde das Hotel mit einem MICHELIN Key ausgezeichnet — der Auszeichnung des MICHELIN Guide für den Aufenthalt, nicht für die Küche. Vier Zimmer ohne Pool, ohne Sauna und ohne Rezeption stehen damit im selben Verzeichnis wie die großen Häuser des Landes.
Fünfzig Bäume, vierzig Sorten
Im Innenhof wachsen rund fünfzig Zitrusbäume in vierzig Sorten. Die Südsteiermark ist Weinland, kein Zitrusland: Jeder Kübel wird im Herbst hereingetragen und im Frühjahr wieder hinausgestellt. Wer im Sommer frühstückt, sitzt darunter. Wer am Abend isst, hat die Früchte am Teller — als „Leutschacher Zitronen“, ein Begriff, den inzwischen auch Gault&Millau verwendet.
Die Kochsignatur bei Lieperts
Heimisch, exzeptionell und asiatisch inspiriert. Den Beweis dafür treten etwa steirisches Vitello mit Airbread und Räucherforellen-Dashi oder Leutschacher Zitronen mit Mohn, Sauerrahm und Oliven an. Unter Kennern beliebt ist auch der gedeckte Frühstückstisch am Morgen nach dem Dinner. Manuel Liepert: „Ich wollte schon immer Koch werden und das habe ich durchgezogen. Wenn ich mich für etwas entscheide, dann mache ich das mit Herz und Seele und ziehe es durch.“